Interview mit Friedrich Bitter

1. Juni 2008 – 11:52

Am letzten Wochenende fand das vierte Norddeutsche in Hamburg Hausbruch statt. Einer der Referenten dieser Veranstaltung war Friedrich . Da er am Vortag auf der Interzoo 2008 in Nürnberg anwesend war ist er Abends von dort angereist und hat die Nacht bei uns verbracht. Am nächsten Morgen habe ich die Gelegenheit ergriffen und Friedrich beim Frühstück ein paar persönliche Fragen zur Aquaristik gestellt. Lest hier das vom letzten Sonntag:

Hallo Friedrich, Du wirst heute den Wirbellosenfreunden auf dem Norddeutschen einiges über erzählen, worauf wir uns schon freuen und mit Spannung warten. Ebenso freue ich mich, dass Du kurzfristig bereit bist (wir sitzen hier beim Frühstück) einige Fragen zu beantworten.

Frage: Seit wann hast Du mit der Aquaristik zu tun und wie groß war Dein erstes Aquarium? (mit welchen Aquarienbewohnern/Fischen?)

Antwort: Im Grunde bin ich seit meinem dritten Lebensjahr Aquarianer, damals hatte mein Vater ein 60 Liter Rahmenaquarium mit einige Fischen darin. Meine ersten eigenen Fische habe ich mir etwas später von meinem Taschengeld gekauft. Es handelte sich dabei um Sichelblackmollys die damals 1,50 DM pro Stück gekostet haben, was einem Taschengeld von mehreren Wochen entsprach.

Frage: Wie lange interessierst Du dich jetzt schon für die Wirbellosen und wie bist Du auf sie aufmerksam geworden?

Antwort: Dies ist nun ungefähr fünf Jahre her. Chris Lukhaup hatte mich wegen seines Buches angesprochen und gefragt ob es dafür nicht einen Verleger gäbe. Die Vielzahl der darin beschriebenen hat mich fasziniert und seit dem bereise ich auch Länder mit Biotopen, in denen man und/oder vorfindet.

Frage: Welche findest Du am interessantesten / am schönsten?

Rote Hummel Zwerggarnele Antwort: Ich finde zwei Gruppen ganz besonders interessant. Zum einen die Tigergarnelen und zum anderen die Hummeln. Am schönsten von diesen finde ich die Hummelgarnelen des Typs 2.

Frage: Und welche findest Du am schönsten / interessantesten?

Antwort: Hier fällt die Auswahl sehr schwer, da es mehr als 60 Arten gibt, die wirklich ganz interessant sind. Drei davon kann ich aber klar favorisieren: 1. Cambarus manningi, 2. Cambarus rusticiformis und 3. Cambarus ludovicianus.

Frage: Was war das bisher schönstes eigenes Erfolgserlebnis mit den Wirbellosen?

Antwort: Das waren meine ersten richtigen Nachzuchten des Cambarus manningi, denn diese Tiere laichen nur einmal im Jahr ab und nachdem ich diese Tiere mitgebracht hatte dauerte es etwas, bis man selbst Nachwuchs hat. Es kann durchaus bis zu zwei Jahre dauern, bis man echte eigene Nachzuchten nachweisen kann, weil dann erst die Männchen im Aquarium mit Sicherheit die Weibchen befruchtet haben.

Frage: Wohin wird Dich deine nächste Auslandsexpedition führen und über was wirst Du uns von dort berichten?

Antwort: Als nächstes geht es nach China. Dort werde ich aus den Vorkommensgebieten einige berichten. Das wird sicher spannend.

Frage: Wie viele eigene Aquarien hast Du momentan Zuhause stehen?

Antwort: Momentan habe ich 300 Aquarien mit einem 1 Meter Länge und etwa 50 Becken mit 30 Liter Wasservolumen bei mir stehen.

Frage: Und wie viele Arten verschiedener Aquarienbewohner hast Du in der Pflege?

Antwort: Na ja, so grob geschätzt sind es um die 100 verschiedenen Arten die ich momentan bei mir in den Aquarien pflege.

Frage: Hast Du eine favorisierte Pflanzenart in Deinen Wirbellosenaquarien, welche Pflanzen/Moose findest Du für Wirbellosenaquarien besonders geeignet? (3 bis 5 Arten)

Moose Antwort: Ganz spannend finde ich Moose, die sich vor allem auch submers unter verschiedenen Lichtverhältnissen kultivieren lassen. Besonders empfehlenswert finde ich dabei die Arten der Gattung Riccardia und Vesicularia.

Frage: Du warst mit Lutz Döring bei Herr Suzuki in Japan und berichtest davon in der Aktuellen Ausgabe von “Aquaristik - Aktuelle Süßwasserpraxis”. Was hat Dich/Euch bei dem Besuch besonders fasziniert?

Antwort: Dass der Herr Suzuki mittlerweile eine professionelle Moosgärtnerei betreibt, in der einfach keine Algen in den Becken zu finden sind. Es war schon wirklich beeindruckend zu sehen, was für eine Qualität er da hervorbringt, sei es durch die Grundwassernutzung oder das ausgeklügelte Filtersystem, einfach toll.

Frage: Gibt es irgendwas, was Du unbedingt noch mal machen möchtest, weil Du es bisher nicht machen konntest oder etwas anderes Dich davon abhält?

Antwort: Ja, ich würde gerne einmal in Gabun sammeln. Ich war schon etliche Male dort, um Fische zu fangen. Wir haben damals die nicht beachtet und ins Wasser zurück gesetzt, weil sie noch nicht so interessant waren. Jetzt reizt es mich schon, dort noch einmal ganz genau hinzusehen, um zu erfahren welche Arten der da so schwimmen.

Vielen Dank Friedrich, wir freuen uns auf nachher.

Danach ging es dann auch schon Schlag auf Schlag. Einen Blick in den Zuchtraum von Roland, ein paar Fotos geschossen und die Sachen zusammengepackt. Gegen 10.30 Uhr habe ich dann Friedrich nach Hausbruch gefahren, wo er sich dann auf seinen Vortrag vorbereitet hat. Die Begegnung hat mir sehr viel Spaß gemacht, da Friedrich ein sehr natürlicher Mensch ist, mit dem man sich klasse austauchen kann, auch über ‘Non-Aquaristik’ Themen. Hoffentlich bis zum nächsten Mal, wenn es um die Aquaristik geht.


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